Aktuell

Mit viel Handarbeit zum Klang

Samstag 4. August 2012, Toggenburger Tagblatt (Jesko Calderara)

Der Fachmann Walter Märki (links) erklärt Martin Eberhard, Paul Bleiker und Urs Kollmann, wie ein Hackbrett gebaut wird und worauf besonders geachtet werden muss.


Der Hackbrettbauer und Musiklehrer Walter Märki zieht sich aus zeitlichen Gründen aus dem Instrumentenbau zurück. Sein Nachfolger, der Schreinereibesitzer Paul Bleiker hat sich an einem Kurs instruieren lassen und will mit dem Bau von Hackbrettern in Zukunft Auftragslücken abfedern.

«Das Hackbrett erlebt zurzeit einen eigentlichen Boom», sagt Walter Märki. Der gebürtige Aargauer kann dies kompetent beurteilen, ist er doch seit 1984 als Hackbrettlehrer an der Musikschule Toggenburg tätig und baut daneben eigene Instrumente. In den vergangenen Wochen führte er einen Kurs zum Bau von «klingenden Möbeln», wie er Hackbretter nennt, durch. Einer der Teilnehmer war Paul Bleiker, der Schreinereibesitzer möchte sich zukünftig dem Instrumentenbau widmen.

Leidenschaft fürs Hackbrett
Seit Jahren verbringt Walter Märki einen Tag pro Woche in seinem Atelier in der Werkstatt von Holzbau Bleiker im Tüetlisberg.
«Aufgrund der grossen Nachfrage nach Musikstunden fehlt mir leider die Zeit dafür.» Aktuell unterrichte er an sieben verschiedenen Standorten im Toggenburg, erklärt er. Doch nun zeichnet sich für das Problem eine Lösung ab. Paul Bleiker zeigt sich interessiert, das Brauchtum weiter zu pflegen. «Ich habe eine Leidenschaft für das Hackbrett entwickelt, weil mir dessen musikalische Vielfalt gefällt.» Für ihn wäre der Instrumentenbau zudem ideal, könnte er doch so Lücken im Auftragsbestand füllen, sagt der gelernte Zimmermann. Vertraut mit dem Werkstoff Holz, nahm er deshalb zusammen mit zwei anderen Teilnehmern am Hackbrett-Baukurs unter der Leitung von Walter Märki teil. Der passionierte Volksmusik-Liebhaber bietet bei vorhandener Nachfrage mehrwöchige Lehrgänge an, in denen Interessierte am eigenen Leib erfahren, welcher Aufwand hinter dem Bau eines Hackbrettes tatsächlich steckt.
In der Werkstatt wird gehobelt, geschliffen und gebohrt. Die fertigen Instrumente liegen auf der Werkbank bereit, was jetzt noch fehlt, sind der Koffer und die Ruten, mit denen die Saiten angeschlagen werden. «Das Hackbrett lässt beim Bau wenig Gestaltungsspielraum», erklärt Walter Märki. Diesen jedoch zu nutzen, finde er wichtig. Dadurch entsteht die persönliche Note, fügt er an. Individuell gestalten lässt sich die Rosette. Diese geschnitzten Verzierungen auf der Decke seien bei allen Instrumenten verschieden, sagt Walter Märki.

Naturbelassene Hölzer
Zu seiner Philosophie gehört, nur erstklassiges und naturbelassenes Holz zu verwenden. Daher könne man die Bauweise als Toggenburger Version des Hackbretts bezeichnen, sagt der gelernte Primarlehrer. Sie unterscheide sich nur geringfügig von der Appenzeller Ausführung. Für Boden und Decke nutzt er Fichtenholz, für das Gehäuse dagegen andere Hölzer, etwa Kirschbaum, Nussbaum oder Ahorn, je nach persönlicher Vorliebe. Die einzelnen Teile des Bausatzes, welche an der Maschine gefertigt wurden, fügt der Fachmann anschliessend zu einem trapezförmigen Gebilde zusammen. Erst dann beginne jeweils die wirkliche Handarbeit, die um die 100 Stunden betrage, sagt Walter Märki. Dazu gehört feinste Schleifarbeit oder am Ende das Setzen der 125 Saiten. «Die optimale Klangqualität des Hackbretts ist zentral», meint der Instrumentenbauer. Zwischen dem höchsten und tiefsten Ton müsse ein harmonischer Ausgleich bestehen.

Wertvolle Erfahrungen am Kurs
«Es war eine lehrreiche und spannende Erfahrung, für einmal etwas im Team unter fachkundiger Anleitung umzusetzen», schildert Urs Kollmann, einer der Kursteilnehmer, seine Erlebnisse. Der Schulische Heilpädagoge unterrichtet Werken am Schulheim Hochsteig in Lichtensteig, befindet sich zurzeit jedoch im Bildungsurlaub. Obwohl er handwerkliches Geschick mitbrachte, seien die Arbeiten an Anfang sehr anspruchsvoll gewesen.
Am Schluss bleibt die Freude, das gebaute Musikinstrumente zu spielen. «Für einen Hackbrettbauer ist der persönliche Bezug zu seinem Instrument sehr wichtig», erläutert Walter Märki. Dies helfe einem, wichtige Details, die zum perfekten Klang führen, zu erkennen. Auch deshalb hat sich sein Nachfolger Paul Bleiker vorgenommen, das Saiteninstrument spielen zu lernen.

 

Bananenrepublik Toggenburg

Donnerstag 8. März. 2012, Toggenburger Tagblatt (Barbara Anderegg)

Tropischer Genuss im Toggenburg: Beatrice und Paul Bleiker können in ihrem Büro Bananen ernten der Bananen. Dennoch ist es bereits das zweite Mal, dass Bleikers im Büro Bananen ernten.


Sie sind gelb, sie sind krumm, aber sind kleiner und schmecken süsser als ihre Pendants aus dem Supermarkt:
Die Bananen, welche das Ehepaar Bleiker zurzeit geniessen kann. Diese pflücken sie direkt vom Baum – und das nicht irgendwo in südlichen Gefilden, sondern im Büro ihrer Firma Paul Bleiker Holzbau in Wattwil.

Bananenklima im Toggenburg
Dort steht die Bananenpalme seit etwa zehn Jahren, sagt Paul Bleiker. «Nach der wunderschönen Blüte, hat sie im Herbst Früchte angesetzt. Nach einem Stillstand über den Winter, sind die 25 Früchte nun weiter gewachsen und gereift», freut sich Beatrice Bleiker. Dass sie einmal Bananen vom eigenen Baum essen wollten, war nicht der Grund für den Kauf der Pflanze. «Es ist einfach eine wunderschöne Pflanze», sagt Beatrice Bleiker. «Aber natürlich ist es besonders reizvoll, wenn eine Pflanze Früchte trägt», fügt sie an. Dass es soweit kommt, sei alles andere als selbstverständlich. Das Klima im Toggenburg entspricht nicht gerade dem typischen Umfeld. Dennoch ist es bereits das zweite Mal, dass Bleikers im Büro Bananen ernten können. «Anscheinend stimmen die Bedingungen. Unter dem Glasdach wird es genug warm und die Pflanze erhält genügend Licht», sagt Beatrice Bleiker. Und das Raumklima im Holzhaus trage sicher auch dazu bei, ist Holzbauer Paul Bleiker überzeugt.

Die Pflanze wird sterben
Dass sich Pflanzen dort wohl fühlen, wo sie und ihr Mann arbeiten, hat Beatrice Bleiker schon mehrfach festgestellt. Auch Feigen und eine Ananas konnte sie schon ernten. Und wenn es einer Pflanze in ihrem Wohnhaus nicht mehr gut geht, so bringt sie diese für eine Weile ins Büro, ins «Sanatorium» sozusagen. Und Pflanzen hat Beatrice Bleiker genug. «Ohne Grün ist mir nicht wohl», sagt sie. Dabei experimentiert sie auch gerne. «Oft stecke ich einfach mal einen Kern in die Erde und lasse mich überraschen», so die Hobbygärtnerin.
Von der früchtetragenden Bananenpalme wird sie sich verabschieden müssen, denn «diese sterben nachdem sie Früchte getragen haben», weiss Beatrice Bleiker. «Aber vielleicht folgt schon bald die nächste Ernte, denn die Pflanze hat schon viele Ableger produziert», hofft Paul Bleiker.

 

Tadelakt (marokkanischer Kalkputz)

Der Begriff Tadelakt leitet sich von „dellek“ ab, einem marokkanischen Wort für kneten. Tadelakt ist eine uralte Technik aus dem vorderen Orient. Jeder, der in unseren Breiten vor einer Tadelaktoberfläche steht, merkt sofort, dass es sich hier um etwas ganz Besonderes handelt. Die Tadelaktflächen haben eine gewisse Tiefe. Die Farben sind satt, aber nie knallig und bestechen durch einen feinen Glanz. Tadelakt übt auf uns einen schwer zu beschreibenden Reiz aus. Man muss diese Flächen einfach anfassen! Die Oberfläche wirkt je nach Lichteinfall immer wieder anders. Tadelaktoberflächen sind wasserdicht und wurden ursprünglich zur Abdichtung von Trinkwasser-Zisternen eingesetzt. Später verwendete man sie in orientalischen Bädern und in Palästen.

Tadelakt ist ein Naturprodukt
Tadelakt ist ein Naturprodukt und besteht aus hochhydaulischem Kalk. In seiner Naturfarbe ist er ein grau- gelblicher Mörtel. Vielen Menschen gefällt gerade dieser dezente Farbton. Mit hoch alkalibeständigen Pigmenten können jedoch unzählige Farbtöne gemischt werden.

Die Verarbeitung ist aufwändig und verlangt viel handwerkliches Geschick und Einfühlungsvermögen. Der Mörtel wird in einer Schichtdicke von ca. 5 mm aufgetragen und anschliessend in mehreren Durchgängen geglättet und verdichtet. Danach wird die Fläche mit einem Stein glänzend poliert. Abschliessend wird die Fläche mit Pflanzenseife eingerieben und mit dem Stein noch einmal verdichtet und poliert. Die ganze Prozedur ergibt eine hoch verdichtete, sehr harte und wasserfeste Oberfläche, die jedoch nie homogen und vollständig eben ist.

Tadelakt hat bei guter Ausführung die Glätte von poliertem Stein und eine Härte wie Marmor. Tadelakt lebt von seiner sanften Welligkeit und der etwas wolkigen Farbwirkung, die sich aus der unterschiedlichen Verdichtung ergibt.

Tadelakt-Pflege
Die Oberfläche kann mit grobem Werkzeug beschädigt werden und ist nicht säurebeständig. Scheuernde und saure Reinigungsmittel sind deshalb zu vermeiden. Zur Pflege wird die Fläche mit Pflanzenseife eingerieben. Mit einem dicken Stofflappen, über den faltenfrei eine Kunststofffolie gezogen wurde, werden nach dem Trocknen allfällige Seifenschlieren wegpoliert. Diese Behandlung sollte im Nassbereich je nach Beanspruchung alle zwei bis drei Monate wiederholt werden.