Der Fachmann Walter Märki (links) erklärt Martin Eberhard, Paul Bleiker und Urs Kollmann, wie ein Hackbrett gebaut wird und worauf besonders geachtet werden muss.

 

 

Tropischer Genuss im Toggenburg: Beatrice und Paul Bleiker können in ihrem Büro Bananen ernten der Bananen. Dennoch ist es bereits das zweite Mal, dass Bleikers im Büro Bananen ernten.

Leidenschaft fürs Hackbrett

Seit Jahren verbringt Walter Märki einen Tag pro Woche in seinem Atelier in der Werkstatt von Holzbau Bleiker im Tüetlisberg.
«Aufgrund der grossen Nachfrage nach Musikstunden fehlt mir leider die Zeit dafür.» Aktuell unterrichte er an sieben verschiedenen Standorten im Toggenburg, erklärt er. Doch nun zeichnet sich für das Problem eine Lösung ab. Paul Bleiker zeigt sich interessiert, das Brauchtum weiter zu pflegen. «Ich habe eine Leidenschaft für das Hackbrett entwickelt, weil mir dessen musikalische Vielfalt gefällt.» Für ihn wäre der Instrumentenbau zudem ideal, könnte er doch so Lücken im Auftragsbestand füllen, sagt der gelernte Zimmermann. Vertraut mit dem Werkstoff Holz, nahm er deshalb zusammen mit zwei anderen Teilnehmern am Hackbrett-Baukurs unter der Leitung von Walter Märki teil. Der passionierte Volksmusik-Liebhaber bietet bei vorhandener Nachfrage mehrwöchige Lehrgänge an, in denen Interessierte am eigenen Leib erfahren, welcher Aufwand hinter dem Bau eines Hackbrettes tatsächlich steckt.
In der Werkstatt wird gehobelt, geschliffen und gebohrt. Die fertigen Instrumente liegen auf der Werkbank bereit, was jetzt noch fehlt, sind der Koffer und die Ruten, mit denen die Saiten angeschlagen werden. «Das Hackbrett lässt beim Bau wenig Gestaltungsspielraum», erklärt Walter Märki. Diesen jedoch zu nutzen, finde er wichtig. Dadurch entsteht die persönliche Note, fügt er an. Individuell gestalten lässt sich die Rosette. Diese geschnitzten Verzierungen auf der Decke seien bei allen Instrumenten verschieden, sagt Walter Märki.

Naturbelassene Hölzer

Zu seiner Philosophie gehört, nur erstklassiges und naturbelassenes Holz zu verwenden. Daher könne man die Bauweise als Toggenburger Version des Hackbretts bezeichnen, sagt der gelernte Primarlehrer. Sie unterscheide sich nur geringfügig von der Appenzeller Ausführung. Für Boden und Decke nutzt er Fichtenholz, für das Gehäuse dagegen andere Hölzer, etwa Kirschbaum, Nussbaum oder Ahorn, je nach persönlicher Vorliebe. Die einzelnen Teile des Bausatzes, welche an der Maschine gefertigt wurden, fügt der Fachmann anschliessend zu einem trapezförmigen Gebilde zusammen. Erst dann beginne jeweils die wirkliche Handarbeit, die um die 100 Stunden betrage, sagt Walter Märki. Dazu gehört feinste Schleifarbeit oder am Ende das Setzen der 125 Saiten. «Die optimale Klangqualität des Hackbretts ist zentral», meint der Instrumentenbauer. Zwischen dem höchsten und tiefsten Ton müsse ein harmonischer Ausgleich bestehen.

Wertvolle Erfahrungen am Kurs

«Es war eine lehrreiche und spannende Erfahrung, für einmal etwas im Team unter fachkundiger Anleitung umzusetzen», schildert Urs Kollmann, einer der Kursteilnehmer, seine Erlebnisse. Der Schulische Heilpädagoge unterrichtet Werken am Schulheim Hochsteig in Lichtensteig, befindet sich zurzeit jedoch im Bildungsurlaub. Obwohl er handwerkliches Geschick mitbrachte, seien die Arbeiten an Anfang sehr anspruchsvoll gewesen.
Am Schluss bleibt die Freude, das gebaute Musikinstrumente zu spielen. «Für einen Hackbrettbauer ist der persönliche Bezug zu seinem Instrument sehr wichtig», erläutert Walter Märki. Dies helfe einem, wichtige Details, die zum perfekten Klang führen, zu erkennen. Auch deshalb hat sich sein Nachfolger Paul Bleiker vorgenommen, das Saiteninstrument spielen zu lernen.